Einen Tag on Tour im LKW!

Am Mittwochmorgen um 6 Uhr wurde ich von Sven Stautz, Berufskraftfaher, zuhause abgeholt. Wir hatten uns nach einer Diskussion in den sozialen Medien zu einem Treffen verabredet. Sven arbeitet mit Leidenschaft bei einem Fuhrunternehmen in Bisingen, das überwiegend Bauschutt, Aushub, Material und Asphalt transportiert, im Winter auch Streusalz. Heute hatte er mit seinem Kollegen Marco die Aufgabe, Bauschutt in Tübingen zu einer Verwertungsanlage nach Aldingen, im Landkreis Tuttlingen, zu fahren. In Tübingen standen unsere zwei 40-Tonner dann in einer Warteschleife mit mehreren LKW`s, die nacheinander zum Befüllen, per Funk aufgerufen wurden.

Tübingen und LKW ist schon eine große Aufgabe! Und ich war erschrocken, wie leichtsinnig andere Verkehrsteilnehmer mit den großen Fahrzeugen umgehen. Alleine an diesem Tag hatten wir 2 brenzlige Situationen mit Fahrradfahren, die sich sehr gefährlich und ohne Rücksicht ihren Weg suchten. Nach dem Befüllen, eine Präzision von Bagger und LKW-Fahrer, fuhren wir nach Dotternhausen zum Wiegen und weiter nach Aldingen in ein Schredderwerk. Dort wird das angelieferte Material in unterschiedliche Körnung gebracht, um dann wieder als Auffüllmaterial verwendet zu werden. Diesen Prozess erledigten wir in unserem Zweierteam dreimal an diesem Tag. Während der Fahrt und bei den Steh- und Pausenzeiten hatten wir ausreichend Zeit uns über Umweltschutz, Recycling, Lkw-Technik, Soziales und auch Privates zu unterhalten. Erstaunlich viel Gedanken machen sich die beiden Fahrer über den Ressourcenverbrauch und die Notwendigkeit, Baumaterial wieder in den Kreislauf zu bringen. Dabei erfuhr ich sehr viel über den Straßenbau, Asphaltrecycling und über den Sondermüll und die Lagerung von alten Teerstraßen, die es immer noch zu entsorgen gibt. Es ist schon verrückt, wie viel Material, über lange Dinstanzen hinweg mit nicht nachvollziehbarem Grund, bei uns durch die Lande transportiert wird. Wir sind an diesem Tag ca. 400 km für ca. 120 Tonnen Schutt gefahren, welcher dann wieder die gleiche Strecke gefahren wird, um irgendwo wieder neu eingebaut zu werden.

Dann die Technik und der Spritverbrauch bei den Lastwagen. Vorneweg die Fahrzeuge sind super bequem, leise und voll mit Hightech. Von Elektroantrieb wird sehr wenig gehalten, da es derzeit noch nicht effizient genug ist und die LKW`s zu schwer werden würden. Mit Spannung wird auf die Entwicklung der Wasserstofftechnik geschaut. Dem stehen die Trucker sehr aufgeschlossen gegenüber, jedoch sehr viel weniger über die aktuellen Auflagen für ihre Gefährten, Pausen und Arbeitsregeln. Da sind wir an einem sehr kritischen Punkt. Aktuell war das Team für die ganze Woche geplant, dann kam am Vormittag die Meldung, dass der Abbruch und Transport bereits heute schon erledigt wird. Folgeaufträge sind noch keine da und somit war die Arbeitswoche am Mittwoch bereits zu Ende. Das bedeutet entweder ungewollten Urlaub oder Überstundenabbau oder einfach weniger Lohn. Die Entlohnung in diesem Beruf ist nicht besonders hoch für die Leistung und Verantwortung, die erbracht wird. Ein riesiges Thema in der Branche und auch im Fernverkehr, wo immer mehr mit Dumpinglöhnen und somit verzerrten Angeboten gearbeitet wird.

Wir haben auch private Themen miteinander ausgetauscht. Sven ist ebenfalls in Balingen geboren und aufgewachsen, mit seiner Heimat sehr verbunden. Und wie es in einem überschaubaren Städtle so ist, entdeckten viele gemeinsame Bekannte.

Insgesamt ein super interessanter Tag, der dann um ca. 17 Uhr zu Ende ging. Ich habe Sven versprochen, ihn noch einen weiteren Tag zu begleiten, wenn es um den Asphalt-Transport geht. Das scheint die Königsdisziplin bei Transport und Logistik zu sein. Ich bin sehr gespannt darauf und freue mich sehr!

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